Direkt zu:
Diese Webseite verwendet Cookies, um dem Betreiber das Sammeln und Analysieren statistischer Daten in anonymisierter Form zu ermöglichen. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, klicken Sie hier bitte auf »Nein«. Weitere Informationen
 |   Language

03.10.2019

Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit

Mit der traditionellen Gedenkfeier am Stück der Berliner Mauer an der Riviera wurde auch in Ansbach der Tag der Deutschen Einheit feierlich begangen.

Rede von Oberbürgermeisterin Carda Seidel  zum „Tag der Deutschen Einheit“ 2019:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Ansbacherinnen und Ansbacher,

ich begrüße Sie ganz herzlich zur Gedenkfeier anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. Vielen Dank, dass wir - wie jedes Jahr - gemeinsam diesen schicksalhaften Tag in der deutschen Geschichte feiern können.

Der Tag der Deutschen Einheit jährt sich nun bereits zum 29. Mal - und in wenigen Wochen feiern wir 30 Jahre Mauerfall. Vor kurzem erinnerte Bundesaußenminister Heiko Maas an die legendäre Balkonansprache seines Vorgängers Hans-Dietrich Genscher in der Prager Botschaft vor 30 Jahren. Er würdigte die Rede als „magischsten Moment der deutschen Wiedervereinigung“ neben dem Mauerfall selbst. Ja, es waren magische Momente die für alle, die diese miterlebt haben – live oder im Fernsehen – unvergesslich bleiben werden und die uns noch heute tief berühren! Nach der mutigen und friedlichen Revolution der DDR-Bürgerinnen und Bürger war der Mauerfall das damals beinahe unfassbare „happy End“.
Sehr passend finden die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auf Bundesebene dieses Jahr in Kiel unter dem Motto „Mut verbindet“ statt. Nicht nur die Menschen in der DDR bewiesen bei den Montagsdemonstrationen ganz viel Mut. Mut bewiesen auch die Politiker in Ost und West, die die Grundlage für die Wiedervereinigung schufen und schließlich die entsprechenden Verträge aushandelten: Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl, der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und auch lokale Politiker, wie Carl-Dieter Spranger, der als Parlamentarischer Staatssekretär in der damaligen Regierung tätig war.

Vor 29 Jahren traten die neuen Bundesländer dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei - der „freiheitlichsten Verfassung, die Deutschland in seiner Geschichte je hatte“, wie Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert es nannte. Damit war die Wiedervereinigung rechtlich vollzogen. Mauerfall und rechtliche Einheit setzten den Startpunkt für einen langen und manchmal auch schwierigen Prozess des Zusammenwachsens. Auf diesem Weg zur tatsächlichen Wiedervereinigung ganz praktisch und auch in den Köpfen sind wir inzwischen ein großes Stück vorangekommen.

In 29 Jahren ist viel passiert. Junge Menschen kennen Deutschland nur als ein Land und die Vergangenheit – ein geteiltes Deutschland – kennen sie nur aus Erzählungen, den Medien oder dem Geschichtsunterricht. Und dennoch ist und bleibt das Einswerden für unser Land und seine Menschen nach wie vor eine Aufgabe.

Eine beeindruckende Dokumentation des ZDF und Spiegel TV zeigte im August die Lebenswirklichkeit und Hoffnungen der Deutschen in Ost und West (Deutschland-Bilanz). Sie machte deutlich, was sich für die Menschen im Osten und Westen mit der Wende verändert hat. Der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière beschreibt es so: „Für die Westdeutschen hat sich eigentlich nur die Postleitzahl verändert.“ Für die Ostdeutschen war aber mit der Wende beinahe alles anders. Auf beiden Seiten gibt es noch immer Vorurteile und teilweise auch Ängste und damit müssen wir uns – müssen sich Politik und Gesellschaft – auseinandersetzen. Dran vorbeischauen, einfach weitermachen ohne auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren und ohne zu handeln, führt sicher nicht zu befriedigenden Lösungen.

Dies zeigt auch der Blick auf die Wahlen in Sachsen und Brandenburg. Erfreulich: die gestiegene Wahlbeteiligung – in Sachsen 66,6 %, in Brandenburg 61,3 %. Weniger erfreulich die Wahlergebnisse: deutlicher Vertrauensverlust gegenüber fast allen etablierten demokratischen Parteien, auf der anderen Seite, enorme Gewinne für die AfD. Auch bei der Landtagswahl in Thüringen am 27.10.2019 sind wohl ähnliche Ergebnisse zu erwarten. Die Menschen fühlen sich mit ihren Ängsten und Bedürfnissen allein gelassen, sie warten auf Antworten und diese bekommen sie nicht oder in nur unzureichendem Maße von den etablierten Parteien. Dies in einer Zeit, in der Stabilität wichtiger denn je ist, um den vielen Herausforderungen in Deutschland, Europa und darüber hinaus gewachsen zu sein.

In der EU kommen immer neue Herausforderungen dazu – bestehende werden nur zögerlich angegangen oder bleiben ungelöst.
Großbritannien – Mit dem Brexit und allen Geschehnissen drum herum, demontiert das Land seinen Ruf und seine Demokratie. Besondere Stilblüte: Boris Johnson‘s Versuch, das Parlament mit der Prorogation in eine Zwangspause zu schicken. Der Aufschrei von Opposition und Bevölkerung war verständlicherweise groß. Der Supreme Court musste entscheiden, erklärte die Zwangspause für rechtswidrig und hob diese mit sofortiger Wirkung auf. „Die Parlamentarier würden mit der Prorogation an der Ausübung ihres verfassungsmäßigen Auftrags gehindert“, so die Ausführungen des Gerichts.
Spanien – Hier folgt eine Neuwahl der anderen - im November wird zum 4. Mal in 4 Jahren gewählt. Die einzelnen Parteien geben sich gegenseitig die Schuld und Beobachter sprechen davon, dass das Land nur noch verwaltet, nicht mehr regiert wird.
Italien – Der Umgang mit den über das Mittelmeer hereindrängenden Flüchtlingen bleibt weiter eine Herausforderung für die EU, auch wenn hie und da Lösungsansätze im Raum stehen.

Das sind nur 3 Beispiele, diese zeigen aber, es gibt in Europa jede Menge zu tun, wenn unser wertvolles Bündnis für Frieden und Stabilität seinen wichtigsten Zweck auch in Zukunft erfüllen soll und zudem handlungsfähig bleiben will.
„Es braucht Mut, ein geeintes Europa und die Demokratie jeden Tag aufs Neue zu verteidigen. Seit Jahrtausenden sind es mutige Menschen, die unsere Gemeinschaft zusammenhalten“, so Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, der ja heute die Bundesfeierlichkeiten in Kiel ausrichtet.

In Deutschland leben wir seit vielen Jahrzehnten in Frieden und seit der Wiedervereinigung auch alle in Freiheit! Dies gilt es zu bewahren und für Stabilität im eignen Land und darüber hinaus zu sorgen! Dafür braucht es den Einsatz jedes Einzelnen in Politik und Gesellschaft.

In diesem Sinne, meine Damen und Herren, lassen Sie uns alle Mut beweisen und für Frieden, Freiheit und Stabilität in Deutschland, Europa und der Welt immer wieder aktiv eintreten. Lassen Sie uns den Prozess des Einswerdens in unserem Land weiter vorantreiben – in den Köpfen und in der Realität. Lassen Sie uns das Erreichte feiern und mutig gemeinsam in unserem vereinten Deutschland in die Zukunft gehen!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag der Deutschen Einheit!

Ihre
Carda Seidel