Gedenken an Reichspogromnacht: Ansbach hat den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland empfangen
Vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im Deutschen Reich Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte verwüstet und tausende jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger misshandelt, verhaftet oder getötet. Zum Gedenken an die Reichspogromnacht hat die Stadt Ansbach in diesem Jahr Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress, in Ansbach empfangen.
Die Gedenkveranstaltung fand am Abend des 12. Novembers 2025 in der Ansbacher Karlshalle statt. Bereits vorher wurden Kränze in der Synagoge Ansbach niedergelegt und Dr. Schuster hat sich in das Goldene Buch der Stadt Ansbach eingetragen.
Zum Auftakt seines Besuchs in Ansbach hat Dr. Schuster gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Deffner sowie Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie des Frankenbundes und Joino Pollak vom Landesverband israelitischer Kultusgemeinden in Bayern Kränze in der Synagoge Ansbach niedergelegt. Zudem erhielt Dr. Schuster eine Führung durch die original erhaltene Synagoge und tauschte sich mit den Beteiligten über die Geschichte der Ansbach Juden aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Synagoge wurde das Ansbacher Gotteshaus nicht niedergebrannt, weil die Nationalsozialisten ein Übergreifen der Flammen auf nahestehenden „arischen Besitz“ fürchteten. Nach Besichtigung der Synagoge fanden sich die Beteiligten im Ansbacher Stadthaus ein, wobei sich Dr. Schuster in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Am Abend folgte dann ab 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in der Karlshalle, welche zur Wahrung der Sicherheit nur mit geladenen Gästen stattfinden konnte.
Schuster mahnt, dass "Nie wieder" nicht zum Ritual werden darf
Dr. Schuster zum Gedenken an die Reichspogromnacht: „Der 9. November 1938 war ein Schicksalstag für unser Land. Ein Tag, an dem zu viele Menschen zu Mitläufern des dann ganz offensichtlichen NS-Terrors gegen ihre jüdischen Nachbarn wurden. In der Synagoge in Ansbach zu gedenken heißt, unsere Geschichte nicht zu verdrängen: Die Novemberpogrome verpflichten uns bis heute, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und jüdisches Leben in Deutschland sichtbar und sicher zu machen. ‘Nie wieder’ darf kein Gedenktagsritual sein, sondern tägliche Haltung.“
Deffner bekräftigt Solidarität zum jüdischen Volk
Deffner erklärt: „Angesichts eines extrem angestiegenen und gewaltbereiten Antisemitismus in Deutschland dürfen die Verbrechen der Reichspogromnacht niemals in Vergessenheit geraten. Die Novemberpogrome waren der Auftakt für die unbeschreiblichen Verbrechen der Shoa mit über sechs Millionen getöteten Jüdinnen und Juden“. Deffner bekräftigt zudem die Solidarität mit dem jüdischen Volk. „Wir sind es den Opfern der Shoa, den Überlebenden und unseren jüdischen Mitbürgern in Deutschland schuldig. Jüdinnen und Juden müssen, wie jeder andere auch, sicher und unbehelligt in Deutschland leben können.“
