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19.05.2021

Ansbacher Stadtrat distanziert sich von den Entscheidungen zur Ehrenbürgerwürde aus der NS-Zeit

Einstimmig stimmte der Ansbacher Stadtrat am 18. Mai 2021 für eine klare Distanzierung von den Entscheidungen zur Verleihung von Ehrenbürgerwürden während des NS-Regimes. Der Stadtrat stellte fest, so der Beschluss, „dass die am 20. April 1933, 22. Januar 1938 und 15. Dezember 1938 zu Ehrenbürgern (Adolf Hitler, Julius Streicher, Ludwig Siebert und Paul von Hindenburg) bestimmten Personen keine Ehrenbürger der Stadt sind. Die Ehrenbürgerschaften sind durch den Tod der Personen erloschen. Der Stadtrat distanziert sich von den damaligen Entscheidungen des Stadtrates.“

Das Auffinden der wohl in den späten 1950er Jahren aus dem goldenen Buch entfernten Seiten aus der NS-Zeit im vergangenen Herbst im Stadtarchiv durch sein Studium des goldenen Buches im Sommer 2018 und 2020 hatte Oberbürgermeister Thomas Deffner dazu bewegt, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, ergänzt durch ein Schreiben der Bürgerbewegung für Menschenwürde und zweier Anträge aus dem Stadtrat. Er machte in der Sitzung deutlich, wie wichtig es ist, dass sich der heutige Stadtrat aktiv von den damaligen Entscheidungen des Stadtrats von 1933 und 1938 distanziert. Dies unter anderem weil 1933 SPD-Stadtratsmitglieder an der Teilnahme gehindert wurden und somit „der Stadtrat nach meiner Auffassung zumindest moralisch nicht ordnungsgemäß zusammengetreten“ war, erklärt Deffner. Im Jahr 1938 war der Stadtrat nicht mehr demokratisch legitimiert. Im Gegensatz dazu, dass die Ehrenbürgerschaft von Kommunen gegenüber Personen ausgesprochen wird, die sich um das Wohl der Stadt Ansbach und ihrer Bewohner verdient gemacht haben, wurden Adolf Hitler, Ludwig Siebert, Julius Streicher sowie Paul von Hindenburg 1933 beziehungsweise 1938 aus politischen Gründen die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Ausführlich stellte Deffner dar, dass die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Paul von Hindenburg im NS-Kontext stattfand und dass die damalige Begründung aus heutiger, nach seinem Dafürhalten aber zumindest ansatzweise auch aus damaliger Sicht, nicht haltbar sei. Die Sitzung am 18. Mai 2021 war, so Deffner, „eine bedeutsame Sitzung, die in die Stadtgeschichte eingehen wird“. Er dankte allen Stadträtinnen und Stadträten für das einstimmige Votum.